Aufmerksamer hörte Ralph Brodel zunächst zu, als bei seinem Besuch André Kampmann selbstbewusst die Stärken der Sauerlandklinik in Hachen präsentiert: messbare therapeutische Erfolge, eine 97-prozentige Patientenzufriedenheit und einer der großen Arbeitgeber im Stadtgebiet Sundern. Doch der Kandidat hatte auch gleich eine Idee zu einem weiteren Schwerpunkt für die Hachener Spezialklinik für Multiple Sklerose: mitgebracht – ein Forschungsprojekt, in dem geklärt wird, ob dem Haus eine spezielle Ausbildungsstätte für MS-Therapeuten angegliedert werden kann. Kampmann war interessiert: „Bei mir rennen Sie damit offene Türen ein“, sah der Verwaltungsdirektor gute Chancen für so ein Projekt.
Das Akutkrankenhaus mit seinen 125 Betten ist das gesamte Jahr über praktisch ausgebucht, berichtete André Kampmann seinen Gästen. 145 Festangestellte arbeiten im Haus, darunter acht Ärzte, 67 Pflegekräfte und 27 Therapeuten. Rund 2700 Patienten kommen pro Jahr. Sie bleiben zwischen sieben und 21 Tagen in der Klinik. Verstärkt wurde in den vergangenen Jahren der ambulante Bereich. Je früher eine gezielte Therapie einsetze, desto besser seien die Erfolge. Die Krankheit könne bis heute nicht geheilt, ihr Verlauf aber verlangsamt werden. „Unser Ziel ist es, die drohende Behinderung zu verzögern, “ sagte Kampmann. Dazu brauche es qualifiziertes Personal und hoch motivierte Patienten. Beide Seiten träfen in der Sauerlandklinik zusammen. Bei dem Thema hakte Ralph Brodel ein. „Wenn durch gezielte Maßnahmen so deutliche Verbesserungen zu erreichen sind, ist es doch in ihrem Interesse, dass Physio- und Ergotherapeuten speziell für die MS-Patientinnen und Patienten ausgebildet werden“, erkundigte er sich. Eine Spezialausbildung gebe es noch nicht, bestätigte Kampmann. „Das lernen sie bei uns.“
Ausbildungszentrum als Zukunftsvision
So entwickelte der Kandidat seinen Plan: Über eine Stiftung, mit der er schon zusammen gearbeitet hat und die sich im medizinischen Bereich engagiert, könnte Geld für ein Forschungsprojekt generiert werden. „Im Erfolgsfall kann hier an der Klinik ein Ausbildungszentrum für MS-Therapeuten entstehen, das den Bedarf für ganz Deutschland deckt.“ Für Ralph Brodel eine durchaus realistische Zukunftsvision.